Ein Spiel aus Licht, Schatten und Symbolik

Berthold Maier zeigt im Forum in Bodelshausen Arbeiten unter dem Titel „Erinnerungen und Experimente“. 

Von Jürgen Jonas, Südwestpresse, Steinlachbote v. Freitag 9.8.19

Im Eingangsbereich der Fo­rum-Bücherei findet sich das Aquarell-Abbild eines ,.Flockenstieligen Hexenröhr­lings“, nach dem ein unkundiger Pilzsammler glatt greifen möchte, so lebensnah ist der Röhrling dar­gestellt. 
Betritt man die Bücherei, begegnet dem Besucher „West­strand“, Meereswellen, aus der Feme wie eine Fotografie erschei­nend. 
Oder der Bach „Fehla bei Neufra", der in der Wiese mäand­riert. Kommt man auf die Galerie, so hängt dort der aquarellierte Ausdruck des Gefühls „König sein“. Eine Maske. Ist es der König Lear in leicht irrem Drogen­rausch? 

Es sind also Entdeckungen zu ma­chen im Forum. Die Leiterin Sabi­ne Engeser hat sich wieder etwas ins Haus geholt, das Eindruck macht und angeschaut sein will. 
Hauptamtsleiter Florian King be­grüßte zur Eröffnung die zahl­reich versammelten Gäste. Er sprach von den eher fotorealis­tisch anmutenden Schöpfungen hier und den expressionistischen Farbexplosionen dort.

Der Künstler, von seinen Freunden „Bea“ genannt wuchs mit einem Va­ter auf, der selber malte. Auf des­sen Unterrichtung führt Wolfgang Bastian die technische Versiert­heit Maiers zurück.
Bastian ist Vorsitzender des Vereins „Burla­dinger Maler", dem Maier seit 13 Jahren angehört. ,.Wir sind stolz, ihn in unseren Reihen zu wissen." 
Für Beas Verhältnisse sei es ei­ne kleine Ausstellung im Forum dessen Möglichkeiten seine Kolle­ginn/en in Burladingen nur neid­voll betrachten könnten. 
Seit er nicht mehr in seinem Beruf als Chemotechniker arbeite, habe sei­ne Produktivität noch zugenom­men. Maier sei unterwegs als eine Art Empfangsstation für die unendliche Inspiration, die die Welt böte. Er arbeitet überwiegend in Öl, Aquarell und Acryl, ,.fährt viel­gleisig", was sich in der zweige­teilten Ausstellung zeige. 
Einerseits die Naturbilder, Er­innerungen an Stimmungen und Atmosphären auf Reisen, so die ,.Lange Lacke“, eine burgenländi­sche Wasserlandschaft mit stak­sendem Vogel und sturmerprob­ten Bäumen an einer Küste, eine Landschaft mit dem Titel „Köbe­le", die Bastian mit dem Stil Ger­hard Richters vergleicht. 
Oder auch ein Dschungel spitziger Pflanzenblätter im Topf, aus de­nen heraus ein Flugzeug düst. 
Oben auf der Galerie die „Expe­rimente", eine „Komposition", Spermien vielleicht, die sich auf den Weg nach Irgendwo gemacht haben. Imaginäre Orte, Karnevals­masken, Kindheitsabbilder, Bilder, die Anleihen im Surrealismus nicht verleugnen. ,.Die Kämpfer" aus Papier, worum duellieren sie sich, vor einem geballten Wolken­hintergrund? Die bunten Streifen sind „Regenwald in Oberbayern" benannt. Aus welchem Grund? 
Vom bunten Regen In Bayern „So kann es tatsächlich nur in Oberbayern regnen", kommen­tiert ein Ortskundiger die Dar­stellung. Der Musiker Martin Burmeister gab der Vernissage vergangene Woche mit Gitarre und Stimme einen Rahmen. Ein Lied des „Trio Bagatelli" über Männer in der Nacht, unterwegs mit Sehnsucht und der Frage „Wo bist du?" Oder Stephen Stills Song „Four and twenty years ago". Was es nicht alles gibt in Burladingen. 

Die Ausstellung „Erinnerungen und Experimente" von Berthold Maier ist noch bis zum 11. Oktober zu den übli­chen Öffnungszeiten im Bodelshäuser Forum zu sehen.

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